Fotos und Videos mit dem iPhone produzieren

Nachdem das iPhone hinlänglich als Radio-Reporter-Tool ausprobiert und für gut befunden wurde, hier der Blick in die Bereiche Foto und vor allem Video. Denn in diesem Bereich wird sich im nächsten Jahr garantiert viel tun. Doch zunächst ein klitzekleiner Rückblick.

2007 bis 2011

Vor knapp fünf Jahren stellt Apple die erste Generation des iPhones auf der Macworld Conference & Expo in San Fransisco vor. Das Gerät verfügt über eine Zwei-Megapixel-Digitalkamera. Videos aufnehmen kann das Gerät noch nicht. Das ändert sich. Aus der Zwei-Megapixelkamera ist inzwischen eine Fünf-Megapixelkamera (2592 x 1936) 8-Megapixelkamera geworden.

Mobiltelefone und Apps wie Hiptsamatic und Instagram haben die Art und Weise wie viele Menschen Fotos produzieren und konsumieren verändert. Das iPhone 4 ist die mit Abstand beliebteste Kamera in der Flickr Community. Vier von fünf der beliebtesten Fotohandys bei Flickr sind ein iPhone. 

Im Herbst 2010 werden die von Pulitzer-Preisträger Damon Winter mit einem iPhone und der App Hipstamatic in Afghanistan geschossenen Bilder noch leidenschaftlich debattiert, verurteilt und schließlich preisgekrönt. Im Sommer 2011 wiederholt Foreign Policy das Projekt und etwas sehr Ähnliches findet sich inzwischen bei Getty – und anderswo.

Ganz ohne Retro-Filter hat sich die Qualität der mit dem iPhone produzierten Bilder und Videos in den letzten Jahren deutlich verbessert. Zugleich erleben wir eine rasante Weiterentwicklung im Bereich Zusatz-Hard- und Software. Zahlreiche auch traditionelle Anbieter wittern die Gunst der Stunde.

Photos – Was brauche ich

Egal ob Linsen, Aufsätze, Adapter – kaum etwas was es hardwareseitig nicht gibt. Empfohlen seien hier die Seiten Photojojo und Iphoneography, um einen ersten Eindruck zu bekommen. 
Oder wie wäre es mit dieser Action HD Sport Kamera oder dem oben bereits abgebildeten mobislyder. Deutlich professionalisiert haben sich auch die Kamera-und die Bildbearbeitungsapps. ProCamera und Photoshop Express sind eine gute Grundausstattung. Die Kollegen Leidel und Degen empfehlen ergänzend zur Bearbeitung Snapseed.

Videos – Was brauche ich

Videos nimmt das iPhone 4 mit 1080p HD auf. Da die Videoproduktion immer ein bisschen aufwendiger als die Fotoproduktion ist, gibt es derzeit noch gar nicht so unfassbar viele tolle Referenzprodukte. Das wird sich  in den nächsten Monaten ändern.

Welche Hard- und Software brauche ich? Für Puristen reicht ein bloßes Telefon. Ganz ohne Zusatzlinse, Handgriff, etc. kann man direkt mit dem iPhone ein Video filmen, trimmen und veröffentlichen und zwar ausschließlich mit der vorinstallierten Kamera-App und einem Account bei YouTube. Falls man W-Lan hat oder findet, kann man dies auch direkt in HD-Qualität tun. Je nach Bedarf und Geschmack kann man dann aufrüsten.

Nach einem langen Praxistag empfohlen sei auf jeden Fall das ProPrompter Smartgrip Mobile. Zentral für ein qualitativ hochwertiges Video ist ein stabiles Bild. Der Handgriff und die robuste Klemmfunktionalität gewähren dies. Persönlich hat mir das SmartGrip auch besser gefallen, als das OWLE, das man hier zusammen mit einem Mikro und XLR-Adapter als so genanntes MoJo Pro Pack  kaufen kann.

Guter Ton ist die zweite Komponente eines guten Videos. Auch hier gibt es inzwischen zahllose Möglichkeiten, von denen das iRig Mic eine halbwegs kostengünstige und semi-professionelle Lösung ist, die sich vor allem in Interviewsituationen bewährt.

Videos – Wie geht das jetzt

Es gibt verschiedene Wege, um auf dem iPhone zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen. Egal ob man ein Video zunächst mit der klassischen Kamera-App, einer Zusatz-App wie ProCamera oder gleich aus einer All-inclusive-Lösung wie 1st  Video heraus filmt, der Ablauf ist überall gleich:

Nach einer hoffentlich vollständigen Vorbereitung (inhaltlich und technisch) und genug Tests und Erfahrung mit den Tools sammelt man zunächst das Rohmaterial bestehend aus Film, Ton und Fotos ein. Je besser die Planung im Vorfeld, je besser normalerweise die Ergebnisse. Wie immer gilt: Weniger ist mehr, Show don´t tell, Beweg deinen Arsch, Erzähle etwas, wackel nicht, etc…

Unterschiedlich sind die Ergebnisse. So bietet 1st Video beim Filmen genau wie FILMIC Pro zum Beispiel eine visuelle Darstellung des Audio-Pegels. ProCamera bietet zum Beispiel einen verstärkten Verwacklungsschutz und einen kontinuierlichen Video Fokus Modus.

Videos – Mobil Bearbeiten

Bei der Bearbeitung von Video-Material gibt es im Moment unter anderem die drei Lösungen iMovie, 1st Video und ReelDirector.

iMovie ist die Hauslösung von Apple für den Videoschnitt auf dem iPhone. Das Interface ist klar und einfach strukturiert. Nötig für die Installation ist iOS5. Das Programm ist recht groß, bringt dafür aber standardisierte Sounds und Effekte mit sich. Sehr gut ist die Export-Funktion. Per Knopfdruck kann an YouTube, Facebook, Vimeo, CNN iReport und iTunes gesendet werden. Auch hier ist der Import von Audio nur aus der iTunes-Library möglich.

Der ReelDirector ist recht intuitiv und einfach gestrickt. Für die schnelle Bearbeitung kleiner Video mit einer hand voll Schnitten und einigen Übergängen sicherlich geeignet. Audios kann man ergänzend aufnehmen oder aus der Itunes-Library importieren. Nicht möglich ist das direkte Einfügen bereits vorher vor Ort aufgenommener Sounds.

1st Video von Vericorder bietet eine all-inclusive Lösung. Aus der App heraus kann man Fotos, Audios und Videos anfertigen und als Projekt zusammenbringen und bearbeiten. 
Audios können z.B. aus der App heraus direkt an Soundcloud gesendet werden. Möglich ist auch das Teilen eines Projekts via Wifi. Falls man für 9 Euro 99 die 1st Video App für das iPad kaufen möchte und sich darüber hinaus in die meiner Ansicht nach recht komplexe Bedienung der App einarbeiten mag, dann kann man auf dem Smartphone Filmen und auf dem iPad produzieren.

Video – Live streamen

Ein kleines aber feines Killerfeature des Smartphone ist sicherlich der Video-Livestream. 
Mit zunehmender Verbesserung der Datenverbindungen wird das Thema noch größer werden. Aber bereits jetzt kann man beispielsweise mit Bambuser, Qik oder Ustream Video via 3G streamen und direkt via Social Media publik machen. Weitere Informationen gibt es im Mobile Media Toolkit.

Ab ins Internet

Bis jetzt hat die mobile App von Tumblr als All-Inclusive-Lösung überzeugt. Egal ob via E-mail oder App: Fotos und Videos lassen sich mit Tumblr gut einbinden und präsentieren. Zumindest, wenn man eine thematisch zusammengehörige Site komplett von unterwegs bestücken will.

Wer sich fragt was das alles soll, für den gibt es den Bericht “News on the Go: How Mobile Devices Are Changing the World´s Information Ecosystem


6 Kommentare

  1. Silke

    Ein interessanter Beitrag. Vielen Dank dafür. Mit Camera+, iMovie, Posterous und WordPress-App komme ich momentan mobil sehr gut klar.

  2. Victor

    Hallo Marcus, nachdem ich beim Seminar ein wenig unter Hardwaredefiziten gelitten habe, kann ich Dich jetzt auf der Androiden-Seite ein wenig unterstützen. Gerät der Wahl ist zur Zeit hier der Iphone Konkurrent Samsung Galaxy S2 aus verschiedenen Gründen.
    Im direkten Vergleich zum Iphone 4S ist es mit einer gleichwertigen Hauptkamera, einer besseren Frontkamera und mit zwei separaten Mikrofonen (Top/Bottom) ausgestattet. Das Kameralicht Licht liegt sehr nahe an der Hauptkamera wodurch sich eine fast schon abartige Ausleuchtung erreichen lässt. Es ist sehr leicht und es gibt erweiterungsakkus die bei vergleichbarer Bauhöhe (9mm) bis zu dem dreifachen der ursprünglichen Kapazität hergeben.

    Für die großen Galaxys hat Samsung dieselbe Headset Pinbelegung angenommen wie die anderen großen Hersteller, so daß das Klinkenzubehör auch hier passen sollte. Der Einkauf nach Weihnachten wird da mehr zu Tage fördern.

    Bevor das hier zum Werbekommentar abdriftet gehen wir schnell auf die Softwareseite.
    Hier sticht der bordeigene Videoeditor hervor, der bis auf Texte/Bauchbinden alles hat, was man braucht. Die Suche im Appstore war an dieser stelle wesentlich komplizierter, da es kein Äquivalent zu iMovie gab. Es gibt zwar viele Apps zum “trimmen” aber nur einen Einzigen vollwertigen Editor, der nicht serverseitig arbeitet.
    An dieser Stelle kann ich dir den TechCat Andromedia Video Editor empfehlen, ein in der Entwicklung befindlicher, aber bereits leistungsfähiger, Free-App-Cutter. Die Updates rasseln hier augenblicklich im Halb-Wochen-Takt herein und erhöhen die Qualität zusehens. Ich denke es wird über kurz oder lang kostenpflichtig werden, aber das steht noch in ferner Zukunft.

    Bei den Livestreams positionieren sich bei mir zur Zeit Bambuser und Qik sehr gut wobei Qik die stabileren Verbindungen bei höherer Auflösung zu bieten scheint.

    Ich bleibe auf jeden Fall am Thema dran und mit dem Semesterbeginn 2012, werde ich das Thema auch meinen Studenten nahelegen.

  3. Victor

    Immer gerne!
    Nächstes Spielzeug wird das Tascam iXZ, ein Mikrofonverstärker mit Phantomstrom und geregeltem und ungeregeltem Eingang (XLR/Klinke). Soll -angeblich- über den normalen 4-Pol Headset-Stecker sowohl in das Iphone als auch in das Galaxy passen und eine solide Vorverstärkung für hochwertige Mikrofone liefern.
    Leider leidet die Kompaktheit des Rigs darunter.

  4. Victor

    Update:
    Das Tascam iXZ ist angekommen und AndroMedia hat das nächste Update hinter sich.

    Tascam iXZ
    Das Tascam iXZ wurde speziell für das iPad2, iPhone 4 und iPod Touch entwickelt. (ist jedoch laut Liste zu allen Anderen der Serie). Im Prinzip ist es ein XLR/6,3mm Klinke Adapter mit Vorverstärker. Diesen Job macht es sehr gut und nach ersten Tests auch rauschfrei.

    Im Sinne des MoJo ist es sehr kompakt und wird mit zwei Standard Mignon (AA) Batterien betrieben. Über Schalter an der Front lassen sich verschiedene Empfindlichkeiten (Line/Gitarre oder Mikrofon) einstellen sowie Phantomstrom bis 6,5mA. Zusätzlich befindet sich ein Regler für den Eingangspegel an dem Gerät, mit dem man von +2dBu (maximalpegel) bis -42dBu für Mikrofone und maximal -10dBV an der Monoklinke zuführen kann.

    Das Gerät wird über den 4-Pol 3,5mm Miniklinkenstecker mit dem Iphone verbunden und passt aus diesem Grund auch für Smartphones mit gleicher Pinbelegung. Ich selbst besitze, wie gesagt, das Samsung Galaxy S2 und bin nach ersten Tests sehr zufrieden. Der Stecker übermittelt das Mikrofonsignal an das Handy und schleift das Kopfhörersignal widerum aus, das entweder als Linequelle angeschlossen oder über Miniklinke (3,5mm) mit normalen Kopfhörern benutzt wird.

    Diese Eigenschaft macht es mit einem 4-Pol zu 2×3-Pol Miniklinkenadapter zur vermutlich preisgünstigsten XLR-Lösung mit Mikrofonvorverstärker am Markt und tauglich für die Arbeit mit kompakten Kameras. Ein Nutzer im England hat es mit der Nikon D7000 getestet und für gut befunden, ich werde es mit einem Panasonic HD-Camcorder HS300 testen.

    Fazit: Ein Gerät, das mit seiner Kompaktheit und seinem Preis gerade die Besitzer hochwertiger Kondensatormikrofone aufjubeln lassen lässt. Einem satten Mikrofon-Sound an Iphone und Steckerkompatiblen Androiden steht somit nix mehr im Weg.

    TechCat´s AndroMedia hat jetzt im Übrigen sein 1.6 Update erhalten und neben neuen Blenden und verbessertem Umgang mit Fremdmaterial auch einen Dateimanager mit Zugriff auf die SD-Karte erhalten. TechCat positioniert sich augenblicklich alternativlos mit seiner App und wird diesen Vorteil sicher bald nutzen um eine kostenpflichtige Version anzubieten. Die Qualität rechtfertigt dies zumindest für Nutzer, die keinen der Samsung Spitzenandroiden der Nexus oder Galaxy Serie ihr Eigen nennen.

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