Mobile Stuff #11

tumblr_n7s4g9w6CO1tfxkydo1_1280Die Zukunft ist da. Nur noch nicht überall gleichmäßig verteilt. Es gibt auf diesem Planeten zwar mehr Mobiltelefone als Bewohner, aber die frohe Kunde, dass man  mit einem handelsüblichen Smartphone qualitativ Audio, Foto, Videos und diversen anderen Kram anstellen kann, ist noch nicht überall angekommen. Gut so!

Angekommen ist Mobile Reporting aber letzten Monat im Magazin Print “Das Magazin zum Westdeutschen Rundfunk”. Auf Seite 30 (PDF) berichtet Christian Gottschalk über den mobilen Einsatz des WDR-Reporters Demian von Osten. Und weiter: “Seit April wurde die ‘aufgebohrte’ Software (die Tagesschau-App wurde für Journalisten mit einigen Zusatzfunktionen fürs Mobile Reporting ausgestattet) von rund 1000 MitarbeiterInnen der ARD heruntergeladen.”

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Auch die Aktuelle Stunde direkt App des WDR ermöglicht es, unterwegs Fotos und Videos direkt an die Redaktion zu übermitteln. Auch wenn man damit noch relativ weit weg ist von der Integration die beispielsweise CNN iReport direkt in der App iMovie hat. Ein Anfang.

Am meisten begeistert hat mich in den letzten Wochen die App Storehouse. Im Moment nur für das iPad verfügbar, kann man mit dieser sehr intuitiv und einfach zu bedienenden App multimediale Einseiter erstellen, die man danach per iFrame einbinden kann.

Unter anderem benutzt hat die App BILD-Reporter Claas Weinmann. Angestet hat die App beispielsweise auch Kollege Bernhard Lill der genau wie Kollegin Bettina Blass jetzt auch hier und da mal in Sachen Mobile Reporting unterwegs ist. Zuerst gelesen habe ich über Storehouse bei Robb Montgomery den ich im letzten Artikel sträflicherweise bei den Top Infoquellen (Glen MulcahyNeil AugensteinMarc Settle) vergessen habe. Robb gehört sicher mit rein. In letzter Zeit auch mehr als Neil. Neue Top Drei also: Glen, Marc und Robb.

Neu für mich: Judd Slivka. Eigenangabe: Convergence Journalism Prof at Mizzou. Mobile journalism person. Hier bei Twitter. Und hier neun Minuten lang zum Thema im Video.

Montgomery hat kürzlich A Field Guide for Mobile Journalism als multimediales Büchlein für das iPad veröffentlicht und will es offenbar richtig wissen. Es handelt sich nämlich um Volume 1. Kostet $9.99, weitere Ausgaben sind geplant. Im Gegensatz dazu weiter kostenlos verfügbar ist der Mobile Reporting Field Guide von Richard Koci und auf deutsch mein langsam in die Jahre kommendes Werk Mobile Reporting (Januar 2012).

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Tablets werden dank Apps wie Storehouse, aber auch dank des größeren Displays (bisschen angenehmer beim Audio- oder Videoschnitt) nicht nur im Lean back Modus, sondern auch meiner Erfahrung nach immer häufiger aktiv beim Aufnehmen, Filmen und Fotografieren benutzt. Passend dazu gibt es die bewährten Olloclip-Aufsätze jetzt auch in einer Nummer größer. Und wer möchte kann nebenan bei Photjojo Dinge wie dieses iOgrapher iPad Video Rig finden.

Statt mich jetzt an müßigen Spekulationen über das neue iPhone zu beteiligen (Glas ist unzerkratzbar, repariert sich von selbst, es gibt keine Miniklinke mehr, etc. ) hier lieber der Blick auf ein paar verbriefte News.

Audio

Soundcloud – das YouTube für Audios – eignete sich perfekt für die schnelle, unmittelbare Aufnahme und das Veröffentlichen von Soundschnipseln. Möglich war es bislang auch ein Audiofile mit Foto, Text und Ortsdaten zu versehen, um das alles dann direkt aus der Soundcloud-App bei Twitter als multimedialen Tweet zu veröffentlichen.

Beide Sätze sind in der Vergangenheitsform geschrieben. Soundcloud will “weg vom nutzergenerierten und schöpferischen Fokus, hin zum bequemen Anhören von Musik”. Das schreibt Martin Weigert. Schade. Zumindest für mobile Journalistinnen und Journalisten. Trotz Hindenburg und Hokusai fehlt es mir immer noch an einer rundum intuitiven einfachen schönen Audio-Ap für iOS. Glen weist nebenan auf den TwistedWave Audio Editor hin. Da bleibe ich aber lieber zunächst bei Hindenburg.

Bei Twitter weist Smartfilming für Android-Geräte hin. Sobald ich ein neues Android-Gerät habe, schaue ich mir das mal an.

Video

Kann man während des Video-Drehens auch von Front- auf Rückkamera wechseln? Ja, kann man. Zumindest kann Video Zoom Pro für iOS das. Was sich nach der Erfüllung eines lang gehegten Journalistentraums anhört (Erst Schwenk über Szenerie, dann Umschalten auf kurzen Aufsager und direkt versenden), entpuppt sich aber in der Praxis als etwas schwierig. Zumindest hat man nahezu immer einen Finger im Bild, denn der muss ja das Kameradreh-Icon berühren und wird zwangsläufig mitgefilmt.

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Ich persönlich finde das neue iMovie gerade auch auf dem iPhone super. Aber wer mal eine Alternative ausprobieren möchte, sollte sich mal Pinnacle Studio anschauen. Jetzt auch für das iPhone. Sehr gut dokumentiert mit kleinen Video-Tutorials hier.

Foto

Bei Forbes gibt es – mal wieder – eine Best iPhone Camera Apps 2014 Liste. Ganz interessant: Wer HDR mag, kann mit Pro HDR manuell Bereiche im Bild definieren. Überhaupt manuell. Das ist das neue Ding 2014. Zumindest für Apple. In der kommenden Version des mobilen Betriebssystems iOS8 implementiert Apple zahlreiche manuelle Features und reagiert so auf den Erfolg inzwischen etablierter Kamerazusatzapps wie Camera+ (inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 10 Millionen mal verkauft).

Auch Instagram ergänzt die App um manuelle Einstellungen. Ein notwendiger Schritt, macht sich hier und da inzwischen doch bereits eine gewisse Filter-Müdigkeit breit.

Apropos Instagram. Für mich immer spannender: Die Nutzung von Instagram von Journalisten bzw. Medienunternehmen. In den vergangenen Monaten konnte man beispielsweise dabei zusehen wie die BBC nach dem Learning by doing Prinzip ein mal besser und mal schlechter funktionierendes ganz eigens neues Format (der 15 Sekunden Newsbeitrag) entwickelt und etabliert hat. Copycat ZDF versucht ähnliches. Mit Ayman Mohyeldin (Aymanm) sind jetzt auch Nachrichtenbilder aus Gaza mit in meinem Instagram-Stream. Background zu Aymanm hier.

Hier noch ein sehr lesenswerter kleiner Aufsatz von Norman Ma mit dem Titel “The fragmented mobile photography workflow“. Lesenswert für alle die elend lange in ihrer Camera Roll herumwischen, um im Wust der (un)bearbeiteten Bilder ein ganz bestimmtes Bild zu finden.

Und sonst noch interessant im Bereich Foto:

  • Wer unterwegs seine Bilder direkt mit Namen, Datum, Ort und Zeitangabe versehen will, kann dies jetzt mit Tagg.ly machen
  • Wer weltweit die Blaue Stunde zum perfekten Fotografieren sucht, kann dies jetzt mit einer App namens Blaue Stunde tun
  • Wer ein geschossenes Bild direkt mit etwas Audio unterlegen möchte, wird bei Robb Montgomery fündig. Der hat hier die App JamSnap getestet. Nett.

Ein weiteres schickes Spiezeug ist eine App namens PicPlayPost die Marc gepostet hat. Toll, um Collagen (Foto und Video) anzufertigen. Die kann man dann bei Instagram posten. Ich hab das mal direkt mit vier Überwachungskameras getestet.

Und sonst noch?

Ganz interessant zu werden scheint das Mobile Gadget Lab. Gegründet von Professor Chris Snider im Januar 2014 und finanziell unterstützt werden hier Soft- und Hardware getestet. Dafür wäre dann allerdings mehr nötig als auf ein zweifelsohne praktisches, aber nicht wirklich tiefergehendes Thinglink zu verweisen. (Noch) nicht mit in der Liste ist dieses Gerät hier. Ein USB-Stick für iPhone und iPad. Können Android-Nutzer natürlich nur müde drüber lächeln. Recht haben sie.

Habe bestimmt noch irgendwas vergessen. Was war es denn nur?

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4 Kommentare

  1. smartfilming

    Hallo Marcus!

    “Bestimmt noch was vergessen. Was war es denn nur?” Vielleicht das hier: Seit einigen Wochen gibt es für Windows Phone endlich die erste echte Videoschnitt-App, nennt sich “Movie Maker 8.1″, hat aber nichts mit dem bekannten Microsoft “Movie Maker” für Windows zu tun:
    http://www.windowsphone.com/de-de/store/app/movie-maker-8-1/19ecadd0-5849-4565-a5d5-d4402a10941a
    Zusammen mit den exzellenten PureView-Kameras der Lumia-Reihe könnte Windows Phone langsam auch zu einer brauchbaren Plattform für Mobile Reporting werden. Da die App jedoch dezidiert nur auf dem neuen 8.1-Update läuft, das gerade erst “ausgerollt” wird, ist die aktuelle tatsächliche Reichweite dieser Kombi noch etwas gering. Ich selber habe mir kürzlich Second-Hand ein Lumia 920 zugelegt und warte jetzt darauf, dass das Ding das neue OS-Update bekommt, um die App mal zu testen.

    Beste Grüße, Florian

    • Marcus

      Super! Vielen Dank für den Hinweis. Mache derzeit ja sträflicherweise noch einen Bogen um Windows, auch wenn mir das Interface sehr gut gefällt.

  2. Pingback: Die Grundzutaten « digitaldepesche

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