Mobile Journalism 2016

 

Gerade eben das Adventssingen im Abgeordnetenhaus Berlin live bei Persicope angeschaut. Gestreamt vom Account der CDU-Fraktion Berlin. Richtig, das ist die Schwesterpartei der CSU. Die kennt man ja von Snapchat.

Es wird nicht langweilig. Wenn man sich für Mobile Reporting interessiert. Neue Vokabeln, neue Werkzeuge, neue Formate. Vor einem knappen halben Jahr habe ich hier von Springers erster Periscoportage berichtet und ein einführendes Video zum Thema Snapchat gepostet.

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Und jetzt: Sehe ich gestandene Al Jazeera Korrespondenten die bei Snapchat routiniert von schräg oben gefilmte Selfie-Aufsager veröffentlichen, ARD Reporter die versuchen Alec Baldwin via Persicope einzufangen und dann gibt es da noch dieses Statement der Washington Post: Wir wollen, dass unsere Korrespondenten die Social Media Plattformen nutzen, bei denen sie sich am wohlsten fühlen. 

Dazu Vokabeln wie Post-Social EraHomeless Media oder Emojipocalpyse. Und bitte immer in die Kamera gucken!

Was muss man jetzt also wissen, um mobil gewappnet ins Jahr 2016 zu starten? Nicht vorbei kommt man an den großen Drei: Instagram, Periscope und Snapchat.

Instagram – Bye Bye Emojis

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Inzwischen nutzen mehr Menschen Instagram als Twitter. Kim Kardashian ist bei Instagram. Die Tagesschau ist bei Instagram. Und auch das offizielle Fotografenteam der Bundeskanzlerin bedient die App, die von mehr als 400 Millionen monatlich mindestens einmal aktiven Nutzerinnen und Nutzern frequentiert wird.

Auch wenn man sicher diskutieren kann, ob Instagram tatsächlich das neue Bloggen ist, führt im journalistischen Alltag allein zur Basisrecherche kaum ein Weg an Instagram vorbei. Zumindest sofern man sich auch nur irgendwie für Technik, Gesellschaft, Klatsch, Kultur, ach sagen wir einfach die Gegenwart interessiert.

Für den Praxiseinsatz bieten sich inzwischen eine ganze Reihe von Zusatzapps an, um Videos, Bilder oder Mischformen adequat aufzubereiten – mit und ohne Schrift, Collage, Stickern, Animation, etc. Zum Beispiel:

Wer redaktionell Instagram nach Time Schedule und vom externen Recher (!) bestücken möchte, der findet in Latergramme ein passendes Werkzeug.

Prognose 2016

2016 may yet be the first ‘Instagram election’, schreibt die Washington Post. Auch wenn inzwischen sicher ein Zusammenwirken diverser mobiler Dienste eine Rolle spielen wird, wird Instagram seine Rolle als einfacher, schneller mobiler Bilder- und Videodienst festigen. Es ist wesentlich massentauglicher als Twitter und bedient ein verbreitetes Grundbedürfnis auf dem mobilen Gerät. 2016 werden wir zum einen eine Professionalisierung bei den Video-Inhalten erleben und zum anderen sicher die ein oder andere Mode kommen und gehen sehen. Emojis haben die Hype-Schwelle überschritten. Mal sehen ob anderweitige Sticker nachfolgen. Spannend auch zu sehen wie und ob sich Phänomene wie Finstagram fortentwickeln.

Snapchat – Big Time Sensuality

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Erst unterschätzt, dann auf einmal da und dann überall. 2016 wird das Jahr von Snapchat. Warum? Das steht unter anderem in diesem sehr lesenswerten Fast Company Artikel. Weil der sehr lang ist, habe ich hier zentrale Punkte rausgepickt. Überzeugend für mich u.a. folgendes Zitat: ”Twitter has spent years trying to convince the entertainment business that it’s the perfect second-screen companion to live events. Meanwhile Snapchat is making itself the first screen.”

Hier noch ein paar Anregungen: How publishers use Snapchat outside the Discover feature. Meiner Ansicht nach reicht es aber auch sich dieses Video von Eva Schulz hier drunter anzuschauen. Diese kurze prägnante Einordnung hat mir mehr vermittelt, als eine ganze Reihe traditioneller Artikel über Molenbeek. Diesen hier ausgenommen. Snapchat ist schnell, unmittelbar und der gegenwärtige Storymodus bietet sich sehr gut an, um schnell, einfach und gut Geschichten zu erzählen. Wenn man darauf Lust hat, dann ist die Einarbeitung minimal und der Output gewaltig. So zumindest mein Eindruck nach verschiedenen Seminaren mit öffentlich-rechtlichen Volontärinnen und Volontären. Shout-out to Max.

 

Weitere Lektüre

Prognose 2016

Why 2016 Could Be the Snapchat Election, schreibt jemand hier. Und hier schreibt jemand das Gegenteil. Sie merken was? Die US-Wahl wird gerne angeführt, um irgendwas zu prognostizieren. Egal. Derzeit macht Snapchat Spaß und lebt davon, das Menschen über XX Jahre hier erst mal nicht intuitiv klarkommen. Neue Funktionen wie der Story Explorer haben ein mächtiges Potential. Wenn die Macherinnen und Macher nicht alles kaputt machen, dann gehört 2016 unter anderem Snapchat. Und Innovatoren werden ganze Arbeit leisten müssen, um Führungskräften das ganze Theater inkl. kotzender Regenbögen zu verklickern. Viel Spaß!

Periscope – Live is life

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Nach der Persicoportage (Vgl. Mobile Stuff #14) ging alles ganz schnell. Auf einmal wollten alle live streamen und zwar am liebsten mit Periscope. Livestreamen ging natürlich schon vorher auf einem Smartphone. Und zwar ganz ausgezeichnet mit Apps wie Bambuser, aber 2015 erlebten wir die zweite Welle von Livestreaming-Apps. Periscope wurde im März von Twitter gekauft, im Mai gelauncht, Anfang August zählte man bereits 10 Millionen aktive Nutzer und wenige Monate später gebe ich Seminare und Workshops zum Thema bei Verlagen und öffentlich-rechtlichen Medienhäusern. Hier hat sich einiges beschleunigt.

Vorreiter und deutschsprachige Instanz zum Thema ist Martin Heller – Head of Video bei WELT und N24, der zusammen mit Kollegen schnell einen beachtlichen und sehr praktischen Backkatalog angesammelt hat und wieder und wieder auf dem Webvideoblog darüber berichtet hat. Die einzig zielführende Methode um passende Formate und Techniken zu entwicklen, ist es eben, die App experimentierend auszuprobieren. Nur so kommt man zu: Fünf Tipps für gute Live-Streams oder 10 Tipps für den perfekten Livestream. Hier ist auch ganz generell noch Luft nach oben. Egal ob CDU-Fraktion oder ARD Reporter. Es reicht eben nicht auf “Live-Video starten” zu drücken, um es dann dabei zu belassen. Wichtig sind dann ein gekonntes Multitasking, Dialog-Fähigkeit und eine ganz generelle Format-Idee.

Prognose 2016

How Periscope Will Be Key to a 2016 Presidential Victory, steht hier. Ja, auch Periscope ist offenbar relevant für die US-Wahl. Und nicht nur da. 2016 auf jeden Fall auf der Agenda: Scheduled Programming, Professionalisierung und neue interaktive Formate. Sicher im Bereich Comedy. Und darüber hinaus. Redaktionelle Herausforderung: Wie clustert man mehrere Livestreams von einem Ort, wie gewichtet man hier und wie gelingt es im Dauerrauschen nicht unterzugehen? Wahrscheinlich: Multi-Angle Liveberichterstattung von zahlreichen Orten, vor allem wenn nicht nur Smartphones, sondern auch Hobby-Drohnen Livebilder liefern. Adam Harvey, bitte übernehmen Sie!

Und sonst

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Auch 2016 wird es neue Software, neue Hardware, neue Expertinnen und Experten, neue Veranstaltungen (Mojocon2) und neue Bücher zum Thema geben. Ich persönlich bleibe nach Jahren der Gadget-Sucherei und -Ausprobiererei eher bei einem “Smartphone Only Approach”, will sagen: Man kann das Gerät mit zahlreicher Hardware pimpen, muss man aber nicht. Es kommt immer darauf an, was man vorhat. Im Bedarfsfall sicher ganz cool:

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