Visual Storytelling 2019


Das Spannende an der Produktion von medialen Inhalten mit dem Smartphone ist und bleibt die Dynamik. Es gibt ständig neue Apps, neue Plattformen, neue Hardware und die Änderungen sind nicht marginal, sondern grundlegend. Völlig neue Spielarten des visuellen Geschichtenerzählens sind auf einmal da, entwickeln sich aus, vergehen oder verändern sich.


Neben einer Reihe von etablierten Apps (die sich natürlich auch ständig mehr oder weniger weiterentwickeln), sind es bei mir in letzter Zeit vor allem Apps um (noch besser) Insta-Stories zu gestalten. Außerdem natürlich jede Form von Anreicherung durch Augmentierung. Auch wenn hier noch ganz viel Spielerei ist, zeigt sich ein Potential. Und abgesehen davon, macht es einfach Spaß Videos zu erstellen, bei denen man durch digitale Objekte durchwandert. Siehe Giphy World.

Software

Hier oben auf der Liste (einige nur iOS) die natürlich sehr subjektiv und sehr unvollständig ist:

  • Snapseed – immer noch ein grunsolider Photeditor. Gibt eine ganze Reihe von Alternativprodukten, je nach Geschmack, ich mag die Reparieren-Funktion und die Erweiterungsfunktion. Spielerei, aber schön. (Android)
  • Photo Background Eraser (BG)– Erst mal eine kleine App um schnell und einfach den Hintergrund eines Bildes zu löschen. (Android Alternativen) Zum Beispiel, um danach mit Giphy ein GIF anzufertigen. Wohin das „Segmenting effects“ führen kann, dazu mehr hier.
  • Google – gibt als App auf dem Telefon einen schönen Geschmack für die zukünftige Relevanz der Kamera beim Verstehen und Interpretieren der Umgebung. Einfach Foto von einem sagen wir Buchcover machen und Infos bekommen. Das wird das Eingeben von Suchbegriffen in einem Textmaske sehr alt aussehen lassen. Plus Reverse Image Search, super für die Recherche, etc. (Android)
  • InShot – einer von vielen Foto- und Videoeditoren. Gut finde ich die Vielzahl an so genannten Leinwänden, also Aspect Ratios und die sehr einfache Texteingabe zum zeitversetzten Verschriftlichen von bspws. O-Tönen in Insta-Stories. (Android)
  • Giphy – GIFs selber machen, z.B. in Kombination mit BG. Oder AR mit Giphy World, siehe oben. Oder lieber alle Menschen entfernen? (Android)
  • Kinemaster – neben iMovie, Luma Fusion, Rush, Videoleap, usw. eine solide Videoapp. Reicht für das Meiste (Android)
  • Mojo Stories Editor – hat sich klammheimlich von einem Geheimtipp zu einem Mainstreamtool gemausert. Insta-Stories etwas besser aussehen lassen (Demnächst auch für Android. Danke für den Tipp Profilagentin!)
  • Instagram – löst gerade hier und da Facebook als alles dominierende App ab. Frage nun: Wie biete ich als Medienanbierter Relevanz und Mehrwert interaktiv und dialogisch auf Augenhöhe, bleibe dabei authentisch und kriege es auch noch hin, vernünftig Interviews zu präsentieren (Android)
  • Weird Type – Schrift in den Raum setzen. Spielerei. Kann hier und da aber ggf. noch für einen klitzekleinen Wow-Effekt sorgen. Gibt ggf. eine Vorahnung auf mehr im Bereich Spatial Storytelling (iOS only)
  • Clips  – da sind eigentlich ein paar ganz schöne und praktische Ideen in dieser Apple Social Media App: Speech to text im Selfie Modus, wilde Hintergrundszenerien falls das Gerät das bereits kann. Lohnt einen Blick (iOS only)
  • Brancher – Multi-Choice Videos. Noch ein bisschen hakelig und vielleicht braucht die Welt auch erstmal andere Dinge, aber erst mal doch ganz interessant zum Rumprobieren. Zeigt wie Bewegtbild und Interaktion auf dem mobilen Screen noch genutzt werden kann (iOS only)
  • Google Street View – einfach und schnell 360 Grad Fotos erstellen und publizieren. Oder danach mit Fader weiterverarbeiten (Android)
  • Torch AR – die wundersame Welt von AR. So viel Potential. Direkt auf dem Smartphone. Sofort bei Twitter folgen und die Website anschauen (iOS only)
  • Filmic Pro – professionell Videos aufnehmen. Der Standard. Visueller Audiopegel, AE und AF getrennt. Framerates einstellen. Manuelle Kontrolle, AWB und Live Analytics. 16,99 EUR wert (Android)
  • Just a line – AR Spielerei, genau wie Holo. Gut, um eine Idee von zukünftigen Möglichkeiten zu bekommen (Android)

Ich werde hier Schritt für Schritt ein bisschen ausführlicher auf Workflows, Formate und auch ein bisschen Hardware eingehen die ich in den vergangenen Monaten vor, während und nach zahllosen Workshops getestet habe.

Hardware

Wenn das Smartphone das Studio in der Hosentasche ist, dann hat man immer noch mindestens eine weitere Hosentasche für ergänzende Hardware frei. Auf diesem Markt ist in den vergangenen Jahren eine ganze Menge passiert. Die Gadgets werden kleiner, in der Funktionalität umfangreicher, zunehmend kabellos und bisweilen muss man an diesen vielmals zitierten Spruch denken, dass gute Technologie bisweilen kaum von Magie zu unterscheiden ist. Zumindest wenn man genug Phantasie hat sich Formate und Nutzungsszenarien auszudenken und über Kinderkrankheiten großzügig hinwegsehen kann. Hier eine Übersicht mit neuer Hardware die ich nutze. Wobei ich zugegebenermaßen auf die Osmo Pocket zunächst verzichte. Zum einen weil der große Bruder noch im Schrank verstaubt und die 360 Grad Kamera gerade genug tolles Videomaterial liefert.

  • MikMe – Endlich ein funktionierendes einfaches Bluetooth-Mikro. Setzt unter anderem die BBC ein. Ich teste das in der kommenden Zeit mal noch ausgiebiger.
  • Osmo Pocket – vier Jahre nach der noch sehr klobigen ersten Generation (die hier im Schrank verstaubt) jetzt die kleine feine Gimbal-Lösung. 4K, 60 FPS und ein bisschen schwerer als eine Tafel Schokolade. Mit FaceTrack usw.
  • Die zweite Generation der Spectacles. Echt jetzt? Ja, konnte jetzt doch nicht auf die wann auch immer erscheinende dritte Generation warten. Größtes Manko: Die zehn-sekündige Begrenzung der qualitativ echt recht guten Videos zum Hands Free Drehen. Dazu: Ausspielung in hoch oder quer sehr einfach möglich. Perfekt, um Videomaterial zum untermengen zu drehen. Muss ich auch noch ausgiebiger testen…
  • Die Insta360 One X, eine sehr schöne 360 Grad Kamera, die als ergänzendes Werkzeug u.a. jede Insta Story bereichern kann. Meine dritte Insta 360 Grad Kamera. Beachtliche 5,7 K und vor allem: ganz viel Material zum Stichwort #Overcapture –  the process of shooting an entire scene with a 360-degree camera and then cropping the video for use in a traditional fixed-frame video. Wird seit geraumer Zeit vorwärts und rückwärts diskutiert, was man alles aus hochwertigem 360 Material machen kann. Als Intro empfiehlt sich dieses Interview mit dem Kollegen Matthias Sdun. Oder direkt gleich zum YouTube-Kanal von Ben Claremont. Da sind u.a. zehn schöne Ideen für cineastische Shots.

Test: MikMe

Nebenan bei Twitter eine Diskussion vom Zaun gebrochen, welches denn nun das geeignetste Setup für drahtlose Audioübertragung sei. Sagen wir so: Es gibt diverse Möglichkeiten. Eine davon ist eine klassische Funckstrecke, z.B. die von Sennheiser. Haben viele videoproduzierende Kolleg*innen. Kann man auch ans Smartphone anschließen. Dafür braucht man meistens noch ein kleines Adapterkabel. Verhältnismäßig neu auf dem Markt eine Lösung von Rode. Beinhaltet einen Sender und einen Empfänger. Klein und offenbar ganz fein. Siehe Test hier.

Gut und schön. Ich hätte es gerne noch ein bisschen schlichter. In einer Hosentasche das Telefon. In einer anderen Hosentasche das MikMe mit Puschel. Sieht aus wie ein kleines Tier. Schützt aber vor Wind. Die flankierende App macht, was sie soll.
Derzeit kann man das MikMe (noch) nicht mit Apps wie Filmic Pro verbinden. Die MikMe-App erlaubt ein wenig Nachbearbeitung des Audios. Ansonsten funktioniert in der aktuellen Version alles sehr gut. Autogain und auf den Aufnahmeknopf drücken, fertig!

Spectacles im Einsatz

Ich habe mich lange davor gesträubt die Spectacles (zweite Generation) von Snap zu kaufen. Mit war nicht ganz klar in welchem Szenario sie sinnvoll einsetzbar sind, um abseits des reinen Fun-Gadgets einen journalistischen Mehrwert zu bieten. Nach mehreren Wochen mit der Video-Brille bin ich mir immer noch nicht so sicher wie man sie am besten einsetzt. Die größte Limitation ist sicher die Begrenzung auf 10 Sekunden Video. Und dass man normalerweise den Kopf ganz schön viel bewegt.

Also. Die Brille fühlt sich wertig an, hat ein super Ladeetui und lässt sich gut in den Alltag integrieren. Sie kann bis zu 150 Videos oder 3000 Fotos speichern, die sich problemlos drahtlos auf das Telefon übertragen lassen. Das Beste: Die Videos können in diversen Formaten exportiert werden! Das heisst man kann Aufnahmen sowohl für die Insta oder Snapchat Story nutzen, als auch für 16:9 Old School horizontales Video!


Nur – was filmt man nun am besten damit? Normalerweise bewegt man den Kopf ziemlich viel und die Brille macht eigentlich nur da Sinn wo man das Smartphone nicht hinhalten will, nicht so schnell rausholen kann oder – mein Lieblingsvorteil – wo man beide Hände braucht: Kochen, was zusammenbasteln, etc. Gut sind auch Interviews. Die direkte Interaktion trotz Sonnenbrille hat etwas.

Bislang gab es keine negativen Reaktionen auf die Brille trotz des blinkenden Lichts am Gestell, das darauf aufmerksam macht, dass hier gerade jemand was aufnimmt. Bin sehr gespannt wie die technologische Entwicklung hier weitergeht – z.B. zwei Linsen die dann abgefahrene 3D-Effekte erlauben. Snap ist hier auf dem richtigen Weg. Unter dem Hashtag #SnapchatSpectacles gibt es nebenan bei Twitter eine ganze Beispiele. Zum Beispiel den ganz schönen Rollercoaster-Ride.

Hier bald noch ein Bericht über die Insta 360. Habe in Odessa ein bisschen mit Hard- und Software herumexperimentiert.

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