Mobile Reporting 2018

Meine Damen und Herren, beginnen wir das neue Jahr mit einem Gruß aus der Vergangenheit. Hier abgebildet das MIT Wearable Computing Project, gefunden bei Twitter, aufgenommen irgendwann in den 1990s. Noch können wir darüber lachen, bis uns dann bald diese Frau im Vorbeigehen scannt und uns dann diese Drohne hinterherschickt, die wir nur abgeschüttelt bekommen, wenn wir die ganze Zeit um einen Baum laufen.

Alles tot

Apropos um einen Baum laufen. Fast die gesamte Mojo-Community (Mojo für Mobile Journalism), versammelt in der Facebook-Gruppe „#mojocom Where the global Mojo Community meet and share„, diskutiert Anfang Februar einen Text von Nick Garnett, seines Zeichens früher Mojo-Pionier, der Mobile Reporting das Totenglöckchen läutet bzw. gleich einen Grabstein gebastelt hat: Mobile Journalism IS Dead. Michael Rosenblum, VJ-Pionier, widerspricht Nick Garnett und erklärt statt Mobile Reporting Garnetts Arbeitgeber für tot: Is Mobile Journalism Dead? Or is The BBC? Währenddessen schreibt ein italienischer Kollege, dass Mobile Reporting in Italien ja noch nicht mal geboren sei und er sich doch bitte als Geburtshelfer erst mal auf seinen Job konzentrieren wolle, bevor er das Kind dann begrabe – oder so ähnlich: A letter to Nick Garnett. Und überhaupt sei Mobile Journalism sowieso eher ein state of mind. Dann beginnt sanft der Konfetti-Regen und Alicia Keys übernimmt.

Halten wir fest: Wir werden alle sterben. Und bis es soweit ist, werden wir beruflich und privat noch diverse Hard- und Software ausprobieren, manches wir länger bleiben und manches wir schnell wieder verschwinden. Ganz gut: Die Lust Neues auszuprobieren und zu evaluieren und ein Gespür dafür wann was und für wen genau wie sinnvoll ist. Ich hoffe in diesem randvollen Satz steckt das Meiste drin.

 ¯\_(ツ)_/¯

Neben der recht fruchtlosen Debatte um Begriffe und verbleibende Lebenszeiten, erfreut sich das Anfertigen von Inhalten auf Mobiltelefonen – mit all seinen Vor- und Nachteilen – weiter durchaus großer Beleibtheit. I Covered CES with Nothing But My iPhone schreibt Lance Ulanoff und beim Lesen stellt sich leichte Verwunderung ein, dass es sich hier um einen Text aus dem Jahr 2018 handelt. Hat ein US-amerikanischer Fernsehsender doch den TV-Bericht über die Einführung des ersten iPhones mit Videofunktion direkt auf dem Gerät selbst gedreht. Das ist 10 Jahre her. Und hatte ein wenig mehr Nachrichtenwert. Nun ja.

Als neue Akteure auf dem Markt der Mobile Reporting Infoquellen tauchen inzwischen vermehrt Hersteller auf. Bei Shoulderpod – einem Hersteller von diversen Smartphone-Halterungen – nennt man die Themenseite gleich selbstbewusst: All About Mobile Journalism. inkl. einer Übersicht zu ganz sinnvollen Infoquellen und einem Mobile Trainers World Catalogue – gerne mit Trainerinnern und Trainern die – huch was für ein Zufall – Shoulderpod-Produkte in die Kameralinse halten. Kinemaster – Hersteller einer schönen Videoedeting-App – hat neue Tutorial-Videos veröffentlicht.

Familiarity. Simplicity.

Ansonsten macht alles weiter. Es gibt weiter wachsende Listen von mehr oder weniger sinnvollen Apps: iOS von Glen, iOS von Matthias Süßen, Android von Bernhard Lill. Da kommen immer mal wieder ein paar  mit dazu. Auch wenn die Anzahl der Apps im täglichen Worklflow des Arbeitsalltag sicher eher deutlich kleiner ist. Marc Settle beschreibt hier noch mal wie „the addition of just a few well-chosen apps“ aussehen könnte. Verwiesen sei hier aber auch noch mal auf den sehr lesenswerten Text auf Smartfilming.blog über die Nutzung eh schon vorhandener Standard-Kameraapps die ebenfalls Vorteile bieten. Mit dabei: Familiarity. Simplicity. Und jetzt auch als kleine Ergänzung noch der Hinweis auf die ausführliche und kommentierte Android-Linkliste auf Smartfilming. Empfehlung!

Auch Hardware gibt es natürlich ständig einmal in neu. Kann man machen: This neckband records 360-degree video from your point of view. Muss man aber nicht. Das Osmo Mobile gibt es jetzt in einer neuen Variante. Jetzt neu: Hochformat.  Dazu im Netz auch tolle Tipps wie man das Osmo mit ergänzendem Micro im Lightning-Adapter nutzt: Entweder im 3D-Drucker ein Stück Plastik ausdrucken oder mit Bleigewichten aus dem Anglerzubehör kleine Gegengewichte bauen und mit Klettverschluss anbringen. Genau so stellt man sich schließlich auch die Zukunft vor. Alternativ dazu wäre die Anschaffung eines vernünftigen Stativs vielleicht auch nicht schlecht. In der FB-Gruppe gesehen: Velbon Videomate-638 Video Dreibein-Stativ (Höhe 171 cm) schwarz. Ebenfalls in der Facebook-Gruppe gesehen ein paar interessante Workflows: Musik ohne iTunes auf dem iPhone speichernSave Videos from Facebook, Instagram &Twitter to iPhone Camera Roll , How to Download YouTube Videos to iPhone or iPad.

Was sollte das eigentlich alles

Während VR und AR – je nach Betrachtungsweise – herum dümpeln oder sich unbeobachtet rasend schnell ausentwickeln, geht auch die Entwicklung im Kontext Stories weiter. Beim Nieman Lab ruft Cristina Wilson gar 2018 als Jahr der Instagram Story aus. Wobei sich bei diesen Predictions immer irgendjemand findet, der dies oder das gerne als zentral und lebensumwälzend für genau jeweils das nächste Jahr ausruft.

Martin Hoffmann hat einen schönen Job gemacht und sich mal deutsche Medienanbieter-Accounts angeschaut. Zitat: Instagram wird auch für deutsche Publisher immer wichtiger. Darum hier mal ein Blick auf ein paar Crowdtangle-Zahlen. Seit September steigt die Zahl der Interaktionen auf den Instagram-Accounts großer deutschen Medien massiv an. Noch schöner sein Kommentar / seine Prognose einige Tage später nachdem Google ebenfalls ein Story-Feature (für AMP-Websites) gestartet hat.

Kann dem auf jeden Fall etwas abgewinnen. Schauen wir einfach mal im Februar 2020 drauf. Ob es dann noch Snap Map geben wird, das neue öffentliche Feature von Snapchat aka ein „starkes Recherchetool„? Mal sehen. Siehe die Diskussion oben: Nicht alles was totgesagt wird, ist gleich und sofort tot. Und nicht alles was definitiv das nächste heiße Eisen wird, wird es dann auch. Welch altersmilder Allgemeinplatz. Bis dahin einfach rumprobieren oder auch einfach nicht. Vgl. Twitter-Thread hier.

Noch schnell – bei Snapchat gesehen: Das @BILD-Hochkant-Team hat #Snapchat Discover gehackt: Wir haben aus dem Tool, auf dem Publisher Nachrichten veröffentlichen, eine Spielkonsole gemacht. Vgl. hier. Okay.

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