Warum auch Ihr Medienunternehmen eine AR-Strategie braucht

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Der nächste Paradigmenwechsel im Bereich Computertechnologie steht an. The Fourth Transformation. Was hat das mit albernen Gesichtsfiltern zu tun? Und was muss ich jetzt machen?

Wenn Sie das zufällig nicht mitbekommen haben: Facebook hat gestern die größte Veränderung seit zehn Jahren vorgenommen. Weg vom Text und Link, hin zur visuellen Kommunikation. Die Kamera ist die neue Tastatur. Wenn Sie jetzt denken: Das ist doch von Snapchat geklaut und was soll ich mit albernen Filtern auf meinem Kopf, dann mag das als erster Reflex sicher gerechtfertigt sein, allerdings deutet sich hier wesentlich mehr an als noch mehr verspielter Quatsch für eine medial gesättigte auf dem Telefon herumwischende Menschheit.

Alles was die Sensoren hergeben

Denn das was unter dem Schlagwort Mobile Storytelling bislang mit Apps wie Snapchat und Instagram auch bei zahllosen Medienanbietern zumindest ausprobiert wurde und wird, basiert letztlich auf mehr als der linearen Aneinanderreihung von Fotos und kurzen Videos die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Das Ganze lebt von der Anreicherung dieser Fotos und Videos mit Filtern, Geodaten, Text, der Höhenangabe, der Geschwindkeit, Emojis, Gesichtfiltern, Animationen, bald 3D-Modellen, also allem was die jetzigen Sensoren und zukünftige technische Möglichkeiten (Vgl. Google Tango etc.) so bieten.

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Das unterscheidet Mobile Storytelling, also das Erzählen von Geschichten auf und für Mobilgeräte(n), von klassischen journalistischen Workflows und Erzählweisen. Nicht nur weil der Arbeitsprozess ein grundsätzlich anderer ist, der quasi en passant wo auch immer geschieht und sozialer, dialogischer und intuitiver ist – man schaue sich nur mal den Workflow zur Untertitelung von Videos an, den Apple bald in der App Clips unter dem sprechenden Titel „Live Titel“ anbieten wird – , sondern weil – der Monstersatz hier ist gleich zu Ende – hier die visuelle Anreicherung der abfotografierten und abgefilmten Realität im Vordergrund steht.

Ebenen, Filter und ein Gewinn

Mobile Storytelling ist quasi immer auch so genanntes Layered Storytelling. Auf die Ebene der Fotos und Videos kommt eine weitere visuelle Ebene oben drauf. Diese wird zwar zum Beispiel in jeder Sportschau zur Verdeutlichung von Spielaufstellungen, leeren Räumen und strategischen Zügen bei der Torvorbereitung genutzt, aber im mobilen Kontext von vielen weder gewinnbringend genutzt und/oder verstanden.

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Ausnahmen natürlich ausgenommen. Wenn die Hindustan Times Opfer von sexueller Gewalt ein Smartphone in die Hand drückt und Ihnen die Möglichkeit gibt, mit selbst gewähltem Snapchat-Gesichtsfilter quasi anonym ein Statement abzugeben, dann ist das nicht nur aus praktisch, weil kein Kameramann, Tonmann und Redakteur mit dabei zusehen, sondern dann wird ihnen letztlich so auch so genannte Agency zurückgegeben.

Nie wieder QR-Codes

Ergänzende Ebenen, damit sind wir mitten in der Thematik: Augmented Reality. Die Anreicherung der so genannten real reality durch Zusatzinformationen. Das können Pokemons sein, aber auch der Weg zum Bahnhof in einer fremden Stadt, ein Text-Overlay das mir den Wikipedia-Eintrag des Gebäudes vor mir anzeigt oder etwas ganz anderes. Zum Beispiel ein – Achtung Achtung – journalistischer Mehrwert.

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Wenn Ihr Reflex auch jetzt wieder einem !Jajaja, kenn ich, hab ich gesehen, ist Quatsch“ ähnelt, dann verstehe ich das. Zumindest wenn sie mit ihrem Smartphone krampfhaft versucht haben einen blöden QR-Code abzuscannen, dafür erst eine App suchen, finden, herunterladen und öffnen mussten, um dann Dinge auf dem Smartphonescreen zu sehen, wie den Blick hinter die Kulissen der Vogue-Redaktion.

Know-how

So lange die neuen Möglichkeiten kompliziert umgesetzt werden und auf einem Mini-Display stattfinden und weder inhaltlichen noch emotionalen Mehrwert bieten, so lange wird das nix. Trotzdem gut Erfahrungen zu sammeln. Denn das Anreichern der real reality wird 1) in vielen Bereichen Standard werden 2) vom begrenzten kleinen Smartphonescreen ins Sichtfeld wandern 3) viele Medienanbieter alt aussehen lassen.

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Technische und erzählerische Innovationen werden derzeit von Technologieanbietern und deren Nutzerinnen und Nutzern vorangetrieben. Das positioniert traditionelle Contentanbieter in einer recht unglücklichen Lage. Sie können – meistens – neue Möglichkeiten der Dienste (Facebook Stories zum Beispiel) nicht so schnell und effektiv aufgreifen und vorantreiben wie Millionen und Milliarden von Nutzern. Und sie haben – meistens – weder die finanziellen Mittel, noch das Know How, alternative, neue Technologien, Dienste, Tools oder Plattformen schnell und zielführend zu entwicklen. Auch hier: Ausnahmen ausgenommen.

Von Mobile Storytelling zur Augmented Reality

Was aber ohne weiteres möglich ist. Reagieren. Und zwar nicht, wenn der Zug abgefahren ist, sondern wenn man davon erfährt, dass Gleise verlegt werden sollen. Vorandenken. Im Jahr 2017, in dem die Begeisterung beim Thema Virtual Reality bei den einen schon fast wieder vorbei und bei anderen noch überhaupt gar nicht da ist, sollte man irgendwo und irgendwie aber sehr bald Zeit darauf verwenden, um über Augmented Reality, besser gleich das gesamte Mixed Reality Continuum und ganz sicher kommende Technologien und Möglichkeiten auf der Basis der bereits flächendeckend verbreiteten mobilen Erzählmöglichkeiten des mobilen oder layered Storytellings nachzudenken, um Papierprototypen auf dem Schreibtisch und ein Strategiepapier auf dem Desktop zu haben.

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Natürlich kommt immer alles anders. Aber es wird kommen. Nur das hinterher niemand sagt, er habe ja von nichts gewusst. Zum Lesen:

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