Mobile Stuff #15

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Falls Sie die letzten sechs Monate auf einem Ruderboot den Atlantik überquert haben und erst jetzt wieder Internet haben: Es sind – wie immer – sehr viele schreckliche Dinge auf dem Planeten passiert. Außerdem ist eine Melone explodiert. Am 8. April haben zwei Mitarbeiter von Buzzfeed Gummibänder um eine Wassermelone gespannt, bis diese irgendwann zerbarst. 800.000 Menschen haben diesem Moment live bei Facebook Live (FBL) zugesehen, Millionen haben danach on-demand zugeschaut.

Sträflicherweise in der Prognose für das Jahr 2016 vergessen, reden und senden eine zunehmende Anzahl von Journalistinnen und Journalisten inzwischen über und mit Facebooks Antwort bzw. Angriff auf Periscope. Der Kampf um die so genannte Echtzeit-Berichterstattung beginnt, steht bei Zeit Online. Es sei denn, man nimmt einfach gleich zwei Telefone und bedient beide Kanäle gleichzeitig wie die jungen Journalistinnen und Journalisten von Springer: Inside ScopeBerlin, the 24/7 livestreaming project from Axel Springer Academy.

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Hier kann man sich durchlesen was die New York Times so bei der Verwendung von FBL gelernt hat – u.a. kann ein „element of suspense“ offenbar nicht schaden. Und hier steht was der Guardian bei der vergleichenden Nutzung von Facebook Live und Persicope festgestellt hat. Dazu bei Poynter: How 4 news organizations are using Facebook Live to reach broader audiences. Hier noch 15 Best Practices for Facebook Live.

Bildschirmfoto 2016-06-13 um 17.18.42Facebook Live funktioniert übrigens auch via Satellitentelefon: FBL where there’s no wifi/cell. Teuer, aber exklusiv. Tipps und Tricks gibt es natürlich auch Facebook selbst: Go live often! Ach, wer hätte das gedacht. Machen offenbar trotzdem (noch) nicht so viele wie vielleicht gedacht. Zu dem Schluß kommt man zumindest, wenn man Facebooks interaktive LIve-Weltkarte ab und zu anschaut.

Weitere Tipps bei Poynter. Dort auch die zentrale Frage: Why are you livestreaming? Wenn, sollte es auf jeden Fall schnell gehen: How a Sky News reporter uses her mobile phone to ‘go live’ in 90 seconds. Diskutiert wurde und wird auch die Frage: Bezahlt Facebook Redaktionen, um Live zu nutzen? Artikel bei journalist.de. Und aus den USA bei Recode.net. Frage: Wen wundert es? Mehr zu Facebook generell in der lesenswerten Facebook-Papers-Reihe.

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Neben Facebook Live spielt derzeit – wie prognostiziert – Snapchat eine wachsende Rolle. Dazu dieses schöne Chart. Primärquelle zum Thema im deutschsprachigen Raum weiterhin Philipp Steuer. Und eine Lektüre nur für Krittelgeister: What happens when a 50-something journalist gets a week’s worth of news from Snapchat Discover? Sein Kopf explodiert und es gibt Eis für alle…

Weitere 212 Slides gibt es hier bei den Internet Trends 2016 (PDF). U.a. gute Informationen zur weltweiten Verbreitung von iOS im Vergleich zu Android. Die immer mal unnötigerweise zur Glaubensfrage hochstilisierte Entscheidung zwischen den beiden führenden mobilen Betriebssystemen führe ich hier aus Langeweilegründen nicht. Dass man auf Android-Geräten ebenfalls mobilen Journalismus betreiben kann, war auf der zweiten MoJoCon in Dublin offenbar Thema. Dort gesehen: einen interessanten Überblick über die Fragmentierung von Android-Geräten. Aprops MoJoCon: dazu gibt es auch eine Facebook-Gruppe mit mehr als 1000 Mitgliedern. Im Moment ein Ort wo Mobile Reporting diskutiert wird.

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Aus der Rubrik: Gadgets die man nicht unbedingt braucht. Viel besser natürlich: das DIY-Stativ aus Wasserflasche und Haargummi, gesehen im sehenswerten ZAPP-Beitrag:

 Und sonst?

Nachdem ich 2012 mal einen Artikel für den Fachjournalist geschrieben habe Das Studio in der Hosentasche – Was ist Mobile Journalism und wie geht das?, hat Bernd Oswald im Mai 2016 nachgelegt: Wann, wie, womit und wo – die vier Ws des Smartphone-Journalismus. Lesenswert! Ich habe dem Fachjournalisten-Podcast kürzlich ein Interview gegeben. 2020 dann ein Interview mit Bernd.

Wollte ich immer mal ausprobieren, bin ich aber noch nicht wirklich zu gekommen. Audio Editing mit Ferrite. Hat da jemand Erfahrungen? Würde mich interessieren, wenn noch jemand Radio macht. Wo wir gerade bei der Nostalgie ankommen. Erinnert sich noch jemand an Storehouse? Das war eine tolle multimediale Geschichtenapp. Einfaches Interface, sah alles gut aus. Hat nur keiner benutzt bzw. es hat nicht richtig skaliert. Schade, aber etwas Kulturpessimismus zum Schluß ist immer gut.

We are morphing so fast that our ability to invent new things outpaces the rate we can civilize them“ schreibt Kevin Kelley in seinem aktuellen Buch: The Inevitable: Understanding the 12 Technological Forces That Will Shape Our Future. Hilft ja nix. Weitermachen. So wie die anderen auch. Mobile natürlich. So wie die künftige Chefredakteurin der Deutschen Welle.

Suche derweil weiter nach weiteren lohnenswerten Snapchat-Accounts. Irgendjemand mit irgendeinem Geheimtipp?

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